„Funktionsfähigkeit nachgewiesen“

Überzeugende Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „Stadt als Speicher“

Abschluss für die „Stadt als Speicher“: Nach über vier Jahren intensiver theoretischer und praktischer Arbeit haben die Hertener Stadtwerke und ihre Projektpartner das Forschungsprojekt zur Energiewende beendet. Fazit: Die zentral koordinierte Nutzung dezentraler Energieerzeugungs- und Speicheranlagen in einer Stadt ist sinnvoll und auch bereits technisch umsetzbar.

„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ verabschiedete sich Projektleiter Dieter König von der TU Dortmund im Rahmen der Abschlusspräsentation in seinem Hause von seinen Mitstreitern. „Es war ein sehr facettenreiches Projekt. Wenn die Ergebnisse zukünftig bei der Energiewende mitbedacht werden, können sie in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Anpassung und Veränderung der Energiesysteme leisten.“

Das Forschungsprojekt, an dem neben den Hertener Stadtwerken die TU Dortmund, die Universität Duisburg-Essen, das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT), die Stadtwerke Wunsiedel sowie die Firmen Bittner und Krull und Bosch beteiligt sind, wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft, Forschung und Umwelt finanziert. Es erprobte die Möglichkeit ohne Einschränkungen für die Verbraucher Energieerzeugung und -verbrauch intelligent zu steuern. „Bis 2050 wird sich der Anteil erneuerbarer Energien deutlich vergrößern“, betonte Prof. Dr.-Ing. Christian Rehtanz von der TU Dortmund im Rahmen der Vorstellung der Projektergebnisse. Gleichzeitig werde sich „der Stromverbrauch ungefähr verdoppeln.“

Da Windkraft und Solarenergie nicht so konstant zur Verfügung stehen wie Strom aus konventionellen Kraftwerken, werden Energiespeicher zukünftig eine große Rolle spielen. Im Projekt wurde deshalb erforscht, wie Erzeugungs- und Speicheranlagen vernetzt  werden können, damit die zur Verfügung stehende Energie optimal genutzt  wird. Dafür wurden bereits bestehende Anlagen „smart“ gemacht: Im Feldversuch übermittelten sie Daten an eine zentrale Koordinationsstelle und konnten auch von dort aus gesteuert werden. In diesem sogenannten „Lastverschiebungsmanagementsystem“ werden Fahrpläne erstellt und alle Optimierungen vorgenommen.

Detlef Großjohann, Bereichsleiter bei den Hertener Stadtwerken, lobte das Projekt als „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ und „wichtigen Baustein für die Energiewende. Ohne intelligente Steuerung und Speicherung von Energie lässt sich das Ziel der Klimaneutralität 2050, wie es auch im Hertener Klimakonzept 2020+ formuliert ist, nicht erreichen.“ Er betonte, dass vor allem im Wohnbestand Optimierungspotential liege, das den Kunden vermittelt werden müsse. „Deshalb haben wir die Menschen vor Ort eingebunden und mitgenommen. Unser besonderer Dank gilt daher auch den Kunden, die ihre privaten Anlagen für den Feldversuch zur Verfügung gestellt haben.“ In Herten waren folgende Anlagen in den Feldversuch eingebunden:

     

  • die Blockheizkraftwerke im Copa Ca Backum, im Hallenbad Westerholt und in den Goethe-Gärten
  • die Photovoltaik-Anlage auf der Knappenhalle
  • der Windstrom-Elektrolyseur im h2herten
  • drei private Wärmepumpen
  • eine private Nachtspeicherheizung
  •  

Für die virtuelle Vernetzung sorgte das IT-Unternehmen Bittner und Krull, während der Eingriff in den Anlagenbetrieb von Bosch durchgeführt wurde. Jan Gall, der gemeinsam mit Carsten Honz von den Hertener Stadtwerken die nötigen Schnittstellen vor Ort installierte, stellt fest: „Bisher sind solche Schnittstellen von den Herstellern kaum eingeplant. Für die Zukunft empfiehlt sich deshalb ein Einvernehmen über einheitliche Schnittstellen.“ Trotz anfänglicher Kinderkrankheiten bei Vernetzung und Datenübermittlung „konnte die Funktionsfähigkeit nachgewiesen werden“, so Dr. Annedore Kanngießer von Fraunhofer UMSICHT. Sie empfahl für zukünftige Praxisprojekte die Einbindung von Kälteanlagen als „sinnvolle saisonale Ergänzung“.

Während durch die Vernetzung der verschiedenen Anlagen die Versorgungszuverlässigkeit deutlich verbessert wurde und Stromnetze entlastet werden können, lohnt sich eine Vermarktung der gespeicherten Energie noch nicht. „Hier müssen zukünftig Anreize für die Kunden geschaffen werden“, so Andreas Dietrich von der Universität Duisburg-Essen. Er empfahl die Schaffung virtueller Speicherpools, um Mengenvorteile bei der Vermarktung besser nutzen zu können.