Ukraine-Krieg

Auswirkungen auf die Energieversorgung

Mit großer Bestürzung und Sorge schauen wir derzeitig auf den Krieg in der Ukraine. Unsere Gedanken sind bei den vielen Menschen, die unter den schlimmen Verhältnissen und der Gewalt in ihrem Heimatland leiden. Dieses Leid gilt es insbesondere geopolitisch zu lindern. Der russische Überfall auf die Ukraine und die wirtschaftlichen Sanktionen werden aber auch Auswirkungen auf die globale Wirtschaft - und konkret auch auf die Energieversorgung in Deutschland - haben. Derzeit werden viele Informationen über die unterschiedlichsten Kanäle angeboten. Die Hertener Stadtwerke wollen diese ein wenig sortieren und so die wichtigsten Kernpunkte der aktuellen Entwicklungen im Folgenden näher beleuchten.

Beziehen die Hertener Stadtwerke ihr Erdgas aus Russland?

Die Hertener Stadtwerke beziehen ihr Erdgas von verschiedenen Vorlieferanten auf Grundlage von Bezugsverträgen. Eine direkte Zuordnung zur Herkunftsquelle ist hierbei nicht möglich. Wir unterhalten jedoch keine direkten Geschäftsbeziehungen mit Russland. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden bzw. aufgrund der hohen Importquoten ist eher davon auszugehen, dass einer unserer Vorlieferanten entsprechende Bezugsverträge mit Russland vereinbart hat. Deutschland bezieht rund 55 % des Jahresverbrauches an Erdgas aus Russland.

Können wir ein Erdgas-Produkt anbieten, das definitiv kein Erdgas aus Russland beinhaltet?

Nein, das geben die Regularien des liberalisierten Gasmarktes nicht her. Die gesamte Erdgaslieferung wird über einen sogenannten virtuellen Handelspunkt (VHP) gehandelt. Als virtueller Handelspunkt wird in der Erdgaswirtschaft ein fiktiver Lieferpunkt bezeichnet, der als Übergabestelle bei der Abwicklung von Gaslieferungen innerhalb eines Marktgebietes dient.

Könnte die Erdgasversorgung in Herten eingeschränkt werden, wenn die Zufuhr von Erdgas aus Russland reduziert wird?

Wir sind darauf angewiesen, dass unsere Vorlieferanten die vertraglich zugesicherten Gaslieferungen umsetzen bzw. einhalten. Falls die Erdgasversorgung aus Russland eingeschränkt würde, hätte das nicht nur erhebliche Auswirkungen für die Hertener Stadtwerke, sondern auf die allgemeine Erdgasversorgung in Deutschland. Die Energiewirtschaft geht aktuell jedoch davon aus, dass sie die derzeitig erforderlichen Mengen unabhängig von Lieferungen aus Russland erfüllen kann.

Unabdingbares Ziel ist es, mit ausreichend gefüllten Gasspeichern in den nächsten Winter zu gehen und dies auch nachhaltig sicherzustellen. Die deutsche Energiewirtschaft prüft momentan alle Optionen und wird Maßnahmen ergreifen, die die Energieversorgung kurz-/mittel- und langfristig unabhängiger machen. Eins steht jedoch fest: Deutschland wird auch weiterhin ein Energie-Import-Land bleiben. Einschränkungen in der Versorgung der Kundinnen und Kunden sind grundsätzlich über Regelungen der Lastflüsse oder gar durch Abschaltungen möglich. Derzeit gehen wir in Herten - insbesondere auch aufgrund der endenden Heizperiode - nicht von solchen Maßnahmen aus.

Sind auch Engpässe in der Stromversorgung denkbar?

Engpässe in der deutschen Stromversorgung gibt es aktuell nicht. Die Kraftwerke im Bundesgebiet produzieren plan- und bedarfsgerecht. Russland ist aber auch hier ein wichtiger Exporteur für die benötigte Steinkohle und das Erdgas. Die Stromversorgung ist europaweit im wahrsten Sinne des Wortes vernetzt, so dass auch hier alternative Quellen zu den fossilen Kraftwerken zum Einsatz kommen können. Ungeachtet dessen würde jedoch ein Wegfall der russischen Quellen zu Veränderungen in der Brennstoff-Logistik und absehbar auch zur Erhöhung der Preise führen.

Nicht nur das Kriegsgeschehen direkt vor Ort in der Ukraine wird mit Sorge betrachtet. Auch die Angriffe im Cyberraum sind schwerwiegend. Wie ist die Bedrohungslage für die Energiewirtschaft zu bewerten?

Die deutsche Energieversorgung zählt zu den sichersten weltweit. Auch wir als Hertener Stadtwerke müssen als Betreiber kritischer Infrastruktur sehr hohe Sicherheitsanforderungen umsetzen und den zuständigen Behörden nachweisen. Die Einhaltung der Anforderungen wird kontinuierlich überwacht. Die in Deutschland für den Energie-Sektor geltenden Vorgaben gehen weit über die verpflichtenden Mindestanforderungen der Europäischen Cybersicherheitsrichtlinie hinaus. Grundsätzlich hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) jedoch am 25. Februar die Bedrohungslage aufgrund der Invasion auf die zweithöchste Warnstufe gesetzt.

Ist mit steigenden Energiepreisen durch den Krieg in der Ukraine zu rechnen?

Nach wie vor sehen wir keine Entspannung an den Energiemärkten. Im Gegenteil: Mit der Zuspitzung der Ereignisse in der Ukraine haben die Märkte unmittelbar mit steigenden Kosten reagiert. Im Interesse unserer Kunden hoffen wir auf eine Entspannung der Marktlage, um die Energie auch mittelfristig bezahlbar liefern zu können. Sollte der Gesetzgeber beispielweise nicht weitere Entlastungen bei Steuern und Umlagen für Strom- und Erdgaskunden festlegen, gehen wir zum jetzigen Zeitpunkt für das Jahr 2023 von weiter deutlich steigenden Preisen aus. Die Hertener Stadtwerke haben langfristig Energie eingekauft und geben die Vorteile der günstiger bezogenen Teilmengen auch an ihre Kundinnen und Kunden weiter. Aber auch dieser Vorkauf endet bei anhaltend hohen Preisen und muss dann zu Anpassungen führen. Die Frage der Bezahlbarkeit von Energie kann nur in einem gemeinsamen Dialog von Politik und Energiewirtschaft auf Bundesebene gelöst werden.

Die Bundesregierung plant eine Energiekosten-Entlastung durch den Wegfall der Umlage im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage). Werden die Hertener Stadtwerke die Einsparung an ihre Kunden weitergeben?

Um Kundinnen und Kunden gegenüber den zuletzt stark gestiegenen Energiepreisen zu entlasten, plant die Bundesregierung die ursprünglich für den 1. Januar 2023 vorgesehene Abschaffung der EEG-Umlage bereits auf den 1. Juli 2022 vorzuziehen. Hierzu gibt es aktuell einen ersten „Entwurf eines Gesetzes zur Absenkung der Kostenbelastungen durch die EEG-Umlage und zur Weitergabe dieser Absenkung an die Letztverbraucher“ der Bundesregierung. Die Hertener Stadtwerke verfolgen die aktuellen Entwicklungen und werden den gesetzlichen Vorgaben selbstverständlich entsprechen.

Was ist der „Notfallplan Gas"?

Die Bundesregierung bereitet sich wegen des Gasstreits mit Russland auf eine mögliche Verschlechterung der Gasversorgung vor. Wirtschaftsminister Habeck hat dazu am 30. März 2022 die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Dies dient der Vorsorge. Der Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland basiert auf der sogenannten europäischen SoS-Verordnung, d.h. konkret der Verordnung (EU) 2017/1938 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2017 über Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Gasversorgung. Er kennt drei Eskalationsstufen, je nachdem, wie deutlich der Eingriff des Staates ist. Diese drei Stufen sind gegliedert in Frühwarnstufe, Alarmstufe und Notfallstufe. Weiterführende Informationen zum Notfallplan Gas.

Wie ordnen die Hertener Stadtwerke die Frühwarnstufe des Bundes ein?

Die Feststellung der Frühwarnstufe nach dem Notfallplan Gas ist eine notwendige Entscheidung, um sich rechtzeitig auf einen möglichen Lieferstopp und eine damit verbundene Unterversorgung mit Erdgas vorzubereiten. Sie ist die erste von drei Eskalationsstufen. Die Hertener Stadtwerke sind sich ihrer Verantwortung für die Versorgungssicherheit ihrer Kundinnen und Kunden bewusst. Aber alle Energieversorger erwarten nun eindeutige Kriterien und rechtssichere Vorgaben für eine mögliche Notlage, um Priorisierungen bei der Versorgung mit Erdgas vornehmen zu können.

Was passiert konkret bei den Hertener Stadtwerken zur Vorbereitung auf eine mögliche Unterbrechung oder Reduzierung der Gaslieferungen?

Die Hertener Stadtwerke stehen als Verteilnetzbetreiber wie alle anderen lokalen Energieversorger am Ende der Versorgungsinfrastruktur und müssen gemäß Vorgaben der Bundesregierung und der vorgelagerten Netzbetreiber handeln. Hier ergibt sich im Rahmen des Notfallplans Gas kein Handlungsspielraum. Der Krisenstab der Hertener Stadtwerke bewertet die Lage kontinuierlich.

Welche Auswirkungen hätte es für private Gaskunden in Herten, wenn kein russisches Gas mehr fließen würde?

Auch wenn es zu Versorgungsengpässen kommen sollte, sind private Haushalte und schützenswerte Einrichtungen gemäß Energiewirtschaftsgesetz besonders geschützt. D.h. auch bei einer Gasknappheit wäre ihre Versorgung nach jetzigem Stand gewährleistet.

Sie haben weitere Fragen? Wir stehen Ihnen über folgende Kanäle gerne zur Verfügung:

Kontakt

icon-kundenportal

Online-Kundencenter

icon-newsletter

Newsletter

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?

Telefon/Zentrale: 02366/307-0
Kunden-Hotline: 02366/307-123

stadtwerke@remove-this.herten.de

Unser Online-Kundenportal steht Ihnen rund um die Uhr zur Verfügung.

Wir halten Sie gerne auf dem Laufenden

nach oben